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Merit-Order
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Die Merit-Order (englisch fĂŒr Reihenfolge der Vorteilhaftigkeit) ist eine Anordnung der fĂŒr einen Stromhandelsmarkt verfĂŒgbaren Kraftwerksleistung nach steigenden Grenzkosten.cite-ref-1[1]
Nach einem vereinfachten Modell zur ErklÀrung von Preisen im kurzfristigen Stromhandel stellt die Merit-Order die Stromangebotskurve dar. Der Strompreis ergibt sich dann als Schnittpunkt von einer in der Regel preisunabhÀngig gedachten Nachfrage bzw. Residuallast (senkrechte Linie) und der Merit-Order.cite-ref-2-2-0[2]
Bei perfektem Wettbewerb sind alle Marktteilnehmer Preisnehmer. Unter solchen Bedingungen ist es fĂŒr Anbieter rational, ihre ErzeugungskapazitĂ€ten anzubieten, sobald sie einen Preis ĂŒber den jeweiligen Grenzkosten erzielen. Dann bestimmt das Kraftwerk mit den höchsten Grenzkosten, das gerade noch benötigt wird, um die Nachfrage zu decken, den Marktpreis und damit die Erlöse bzw. DeckungsbeitrĂ€ge aller gĂŒnstigeren Anbieter.cite-ref-kartellamt-3-0[3] Das zugehörige Kraftwerk wird auch als Grenzkraftwerk bezeichnet â nicht zu verwechseln mit einem im LĂ€ndergrenzbereich positionierten Grenzkraftwerk.cite-ref-2-2-1[2]
Contents
âą Gaspreisschock
âą Auswirkungen
âą Kritik
âą Literatur
⹠PrimÀrliteratur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Grenzen und Berechtigung des Modells
Siehe auch
:
Stromhandel
und
EPEX Spot Dayahead Auktion
Das Merit-Order-Modell modelliert Strompreise an den SpotmĂ€rkten ĂŒber ein Modell, bei dem in jeder Stunde die gesamte Nachfrage in einer einseitigen Auktion nach dem Einheitspreisverfahren (Pay-as-Clear) gegen eine stĂŒndliche Angebotskurve gestellt wird. Diese Angebotskurve wird als der GröĂe nach geordnete variable Kosten der Erzeugung dargestellt. Oft wird stattdessen auch die Residuallast, d. h. die Stromnachfrage nach Abzug der Einspeisung erneuerbarer Energien, gegen das Angebot konventioneller Erzeugung gestellt. Beides fĂŒhrt zum selben Ergebnis.cite-ref-1-4-0[4] Dieses Preismodell ist sehr einfach und entspricht in mehreren Punkten nicht den wirklichen VorgĂ€ngen an den HandelsmĂ€rkten.
TatsĂ€chlich wird der prognostizierte Kraftwerkseinsatzfahrplan ein oder mehrere Jahre vorher auf den TerminmĂ€rkten verkauft. Ebenso kaufen die Stadtwerke ihren erwarteten Absatzlastgang ein oder mehrere Jahre vorher auf den TerminmĂ€rkten ein. Die EPEX Spot Dayahead Auktion, in der im Idealfall ein europaweit einheitlicher Preis fĂŒr jede Stunde des Folgetages ermittelt wirdcite-ref-3-5-0[5], ist ein Ausgleichsmarkt fĂŒr unerwartete MengenĂ€nderungen. Entsprechend ist das Handelsvolumen an den TerminmĂ€rkten auch um mehr als das 7fache höher als an den SpotmĂ€rkten.cite-ref-statista-6-0[6]
Weiterhin sind konventionelle Kraftwerke in der Regel nicht in der Lage, fĂŒr einzelne Stunden an- und abzufahren. Sie stellen somit auch keine Gebote fĂŒr die Lieferung einzelner Stunden, sondern bieten ihre Stromerzeugung auch in der EPEX Spot Auktion in Blockgeboten ĂŒber mehrere Stunden an, fĂŒr deren AusĂŒbung ein Durchschnittspreis ĂŒber diese Stunden erreicht werden muss. Dieser Durchschnittspreis muss Brennstoffpreise fĂŒr die Erzeugung und auch An- und Abfahrkosten decken.cite-ref-7[7] Somit existiert eine stĂŒndliche Angebotskurve zunĂ€chst nicht. Blockgebote gehen separat in den Preisermittlungsalgorithmus der EEX ein.cite-ref-3-5-1[5]
Um zu begrĂŒnden, dass das stark vereinfachte Merit-Order-Modell groĂflĂ€chige Preiseffekte dennoch sehr gut erklĂ€rt, sind volkswirtschaftliche Argumente und eine PrĂŒfung an tatsĂ€chlichen Marktpreisen erforderlich. Die wesentlichen Argumente sind hier:
1. wenn der Strom nicht ausfallen soll, mĂŒssen die Kraftwerke tatsĂ€chlich (physikalisch) in jeder Stunde genau so fahren, dass die gesamte Nachfrage dieser Stunde exakt gedeckt ist.
2. die Fahrweise der Kraftwerke bestimmt sich am Spotmarkt. Das liegt daran, dass ein Kraftwerk jeden Tag am Spotmarkt eine oft als Make-or-Buy zusammengefasste Entscheidung trifft. Hat das Kraftwerk seinen erzeugten Strom bereits zu auskömmlichem Preis am Terminmarkt verkauft, am Spotmarkt ergibt sich aber ein Preis unter Grenzkosten, dann ist es fĂŒr das Kraftwerk sinnvoll, den Strom nicht zu produzieren und stattdessen am Spotmarkt (zurĂŒck) zu kaufen. Hat es auf Basis der Terminpreise ursprĂŒnglich entschieden zu stehen und nichts verkauft, wird es trotzdem spontan entscheiden zu fahren und Geld zu verdienen, wenn es sich auf Basis der Spotpreise lohnt (siehe Kraftwerkseinsatzoptimierung). Somit muss der Spotpreis genau so hoch sein, dass er die Grenzkosten aller benötigten (und keiner zusĂ€tzlichen) Kraftwerke deckt.
3. Ein Preismodell fĂŒr den Spotmarkt ist ein Preismodell fĂŒr den Gesamtmarkt: Die StrommĂ€rkte sind arbitragefrei. Das heiĂt, Terminpreise sind weder systematisch und vorhersehbar niedriger noch systematisch und vorhersehbar höher als der Spotpreis, sonst wĂ€re es möglich, am Terminmarkt zu kaufen und die Mengen am Spotmarkt wieder zu verkaufen oder umgekehrt und daraus ein GeschĂ€ftsmodell zu machen.
Die Darstellung der Grenzkosten bzw. variablen Kosten der Kraftwerke auf stĂŒndlicher Basis ist hingegen eine Vereinfachung, die sich auf die ModellgĂŒte auswirkt. In vielen Studien werden dabei die beim An- und Abfahren entstehenden Kosten entweder ĂŒberhaupt nicht erwĂ€hnt, so z. B. in der viel beachteten Studie des Fraunhofer ISI zum Preiseffekt erneuerbarer Energien aus dem Jahr 2007cite-ref-0-8-0[8] oder auf den Zeitraum, den das Kraftwerk fĂ€hrt oder bietet, umgelegt.cite-ref-9[9] Die Tatsache, dass viele Kraftwerke An- und Abfahrrampen haben und einen Mindestzeitraum laufen mĂŒssen, bevor sie wieder abfahren können, oder tatsĂ€chlich z. B. wegen FernwĂ€rmeleistungsverpflichtungen im Zwangsbetrieb fahren, wird in diesen Studien unbeachtet gelassen.cite-ref-0-8-1[8]
Das Stellen von Blockgeboten, wie es tatsĂ€chlich an der EEX erfolgt, macht es möglich, dass das Kraftwerk in einigen Stunden des ausgefĂŒhrten Blockgebots nichts verdient oder gar negative Preise in Kauf nimmt, aber die Kosten fĂŒr den Block dann in einer einzigen teuren und knappen Stunde innerhalb des Blocks wieder hereinholt. Auf diese Weise entstehen sowohl negative Preise als auch teilweise extreme Preisspitzen, die von Merit-Order-basierten Studien nicht erklĂ€rt werden können.cite-ref-1-4-1[4] Komplexere Fundamentalmodelle, die die tatsĂ€chlichen technischen Restriktionen wie Mindestlaufzeiten und An- und Abfahrrampen verschiedener Kraftwerkstypen mit abbilden, sind hingegen auch in der Lage, negative Preise und Preisspitzen am Strommarkt zu modellieren.cite-ref-10[10]
Gaspreisschock
Die sich ab Mitte 2021 manifestierende Energiekrise, in der sich Strom- und Gaspreise vervielfachten,cite-ref-11[11]cite-ref-12[12]cite-ref-13[13] wird in einem Gutachten von ACER, der Agentur fĂŒr die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden, im April 2022 als âim Wesentlichen ein Gaspreis-Schockâ bezeichnet, âder auch die ElektrizitĂ€tspreise beeinflussteâ.cite-ref-acer-2022-14-0[14] ACER stellt dabei fest, dass die Kosten von Gaskraftwerken oftmals den Strompreis bestimmen, insbesondere bei geringem Aufkommen von erneuerbaren Energien und damit hoher, konventionell zu erzeugender Restlast.cite-ref-acer-2022-14-1[14]
VerstĂ€rkt wurde diese Entwicklung durch den Krieg in der Ukraine ab Februar 2022, mit einem Höhepunkt des tĂ€glichen Durchschnittspreises an der Strombörse Ende August. Dies löste erneute Debatten ĂŒber Marktmodelle und Preissysteme am Strommarkt aus (Einheitspreisverfahren Pay-as-Clear vs. Gebotspreisverfahren Pay-as-Bid).cite-ref-15[14.1] ACER hĂ€lt Vorteile durch Pay-as-Bid fĂŒr einen âMythosâ, da Pay-as-Clear den gesellschaftlichen Nutzen maximiere.cite-ref-16[14.2] Nach der kalifornischen ElektrizitĂ€tskrise im Jahr 2000, in der Preissteigerungen bis 500 % auftraten, wurden Preisbildungsalternativen untersucht. Gebotspreise wĂŒrden eine ineffiziente Einsatzreihenfolge und schwĂ€cheren Wettbewerb unter Erzeugungsanlagen nach sich ziehen.cite-ref-17[15] Laut ACER entspricht das aktuelle Marktdesign dem Ziel einer effizienten und sicheren Stromversorgung. Die aktuelle Krise sei nicht auf Fehler im Marktdesign zurĂŒckzufĂŒhren, sondern die aktuellen Marktregeln mildern im Gegenteil Konsequenzen ab, z. B. ist das Risiko gezielter Stromabschaltungen ganzer Verteilnetzbezirke kleiner. ACER spricht sich fĂŒr das Beibehalten des Marktdesigns aus.cite-ref-18[14.3] Als möglichen regulatorischen Eingriff zur Strompreissenkung diskutiert die Studie die Möglichkeiten, den Angebotspreis von Gaskraftwerken an der Börse zu senken, indem diesen Kraftwerken die höheren Gasbeschaffungskosten auf anderem Wege erstattet werden.cite-ref-19[14.4]
Auch das Fraunhofer ISE berichtet, dass zwar ca. die HĂ€lfte des von Januar bis August 2022 erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Biomasse, Wasser) stammen, jedoch 14 % der elektrischen Energieerzeugung durch Gaskraftwerke erfolgten, die per Merit-Order preissetzend waren und hĂ€ufig sehr hohe Strompreise verursachten.cite-ref-20[16] Daher wollte sich Wirtschaftsminister Robert Habeck Anfang September 2022 auf EU-Ebene fĂŒr Ănderungen am Strommarkt einsetzen. Ziel sollte dabei sein, den Strom- und Gaspreis zu entkoppeln. Dies hatten Frankreich, Tschechien, Ăsterreich und andere LĂ€nder schon lĂ€nger gefordert.cite-ref-meritorderabschaffen-21-0[17]cite-ref-22[18] DemgegenĂŒber argumentieren Energieökonomen gegen Eingriffe in die Preisbildung an den HandelsmĂ€rkten.cite-ref-23[19]
Am 9. September 2022 befasste sich dann der EU-Ministerrat mit den hohen Energiepreisen. Diskutiert wurde dabei unter anderem:
âą die Begrenzung der Einnahmen von Stromerzeugern, die niedrige Produktionskosten haben (erneuerbare Energien, Kernenergie, Kohle),
âą eine mögliche Preisobergrenze fĂŒr Gas,
âą MaĂnahmen zur koordinierten Senkung der Stromnachfrage in der gesamten EU.
VorschlĂ€ge der EU-Kommission vom 14. September fĂŒr eine kommende Verordnung wurden am 30. September 2022 mit kleinen VerĂ€nderungen angenommen. Diese betrafen:
âą MaĂnahmen zur Nachfragesenkung,
âą eine Obergrenze fĂŒr Markterlöse und Regelungen zur Verteilung der Ăberschusserlöse an die Endkunden,
âą die Möglichkeit, Strompreise fĂŒr Endkunden und kleine und mittlere Unternehmen vorĂŒbergehend unterhalb der Kosten festzusetzen,
âą einen befristeten obligatorischen SolidaritĂ€tsbeitrag auf Ăberschussgewinne aus TĂ€tigkeiten im Ăl-, Gas-, Kohle- und Raffineriebereich.cite-ref-24[20]
Merit-Order-Effekt erneuerbarer Energien
Der Merit-Order-Effekt erneuerbarer Energien ist die VerdrĂ€ngung von Kraftwerken mit hohen Grenzkosten durch Kraftwerke mit geringeren Grenzkosten: Bei hohem Ertrag von Wind- und Solarstrom geht die Residuallast zurĂŒck und das dann aktive Grenzkraftwerk, ĂŒblicherweise ein thermisches Kraftwerk, das den Marktpreis bestimmt, hat bei so einem Systemzustand niedrigere variable Kosten.
In Zeiten hoher EEG-Strom-Einspeisung verdrĂ€ngt der EEG-Strom den Strom aus den teuersten konventionellen Kraftwerken und senkt so ĂŒber den Merit-Order-Effekt den Börsenpreis.
Die Grafik verdeutlicht die Wirkung des Effekts. Die aggregierte Angebotsfunktion (blau) bildet sich aus den Geboten einzelner Stromanbieter und entspricht im Allgemeinen deren Grenzkosten. Die Nachfrage (Verbraucherlast in grĂŒn) wird als unelastisch dargestellt (senkrechte Linie). Nichtdisponible Einspeisungen aus Wind- und Solarenergie mit sehr geringen Grenzkosten decken einen Teil der Verbraucherlast, so dass nur die restliche Leistung, Restlast oder auch Residuallast genannt, von den konventionellen disponiblen Erzeugern getragen werden muss. Die teuersten Kraftwerke kommen dabei nicht mehr zum Zuge und der Strompreis sinkt um Îp am Markt aufgrund des NachfragerĂŒckgangs ÎN im konventionellen Kraftwerkspark.
Auf diese Weise senken erneuerbare Energien den Strompreis an der Börse, weil teure Spitzenlastkraftwerke immer seltener das preisbestimmende Kraftwerk am Markt sind, sondern eher Kraftwerke mit geringeren Grenzkosten aus dem Grundlast- und Mittellastsegment. Damit reduziert sich der Deckungsbeitrag der gĂŒnstigen Grundlastkraftwerke wie z. B. Laufwasser-, Atom- und Braunkohlekraftwerke, die nun bei p2 weniger Ăberschuss erwirtschaften als bei p1. Der Merit-Order-Effekt kann damit den Börsenpreis fĂŒr Strom zu Lasten der Kraftwerksbetreiber senken.
Eine Nettoentlastung fĂŒr den Verbraucher kann entstehen, selbst wenn die VergĂŒtung durch das EEG ĂŒber dem Preisniveau p1 liegt, sofern die durch den Merit-Order-Effekt verursachte Ausgabenreduktion fĂŒr den konventionellen Strom
( p 1 â â p 2 ) â
â
N 2 {\displaystyle (p_{1}-p_{2})\cdot N_{2}}
insgesamt gröĂer ist als die Mehrausgaben fĂŒr den Strom aus erneuerbaren Energien
( N 1 â â N 2 ) â
â
( p E E G â â p 1 ) {\displaystyle (N_{1}-N_{2})\cdot (p_{\mathrm {EEG} }-p_{1})} .
Die Steigung der Merit-Order-Kurve
p 1 â â p 2 N 1 â â N 2 {\displaystyle {\frac {p_{1}-p_{2}}{N_{1}-N_{2}}}}
ist in diesem Fall bei hoher Last recht steil und der Preis fĂŒr EEG-Strom pEEG liegt nur relativ wenig ĂŒber dem Börsenpreisniveau p1, wie z. B. an manchen Wintertagen mit mĂ€Ăigen WindertrĂ€gen.
Auswirkungen
Aufmerksamkeit erregte eine Veröffentlichung aus dem Hause Eon zusammen mit der Uni Duisburg-Essen, die Mitte 2006 den marktpreissenkenden Effekt in Höhe von durchschnittlich 1,9 âŹ/MWh pro GW Windstromeinspeisungen herausarbeitete.cite-ref-25[21] Eine erste Studie zum Merit-Order-Effekt erneuerbarer Energien veröffentlichte 2007 das Fraunhofer-Institut fĂŒr System- und Innovationsforschung.cite-ref-1-4-2[4] Diese Studie prĂ€gte auch den Namen Merit-Order-Effekt. In der Studie wurden mit einer Modellrechnung fĂŒr den Strommarkt 2006 analysiert:
âą der Marktwert erneuerbarer Energien (2,5 Mrd. âŹ)
âą der Merit-Order-Effekt (4,98 Mrd. âŹ)
âą die VergĂŒtung erneuerbarer Energien (5,4 Mrd. âŹ)
Eine Ersparnis fĂŒr den Verbraucher entsteht, wenn die Mehrkosten erneuerbarer Energien (VergĂŒtung minus Marktwert) geringer sind, als die Senkung der VergĂŒtung fĂŒr konventionelle Energien, der Merit-Order-Effekt. Dies wurde durch die Analyse des Instituts bestĂ€tigt:
âWenn man den Marktwert der erneuerbaren Energien und das in dieser Studie bestimmte Volumen des Merit-Order-Effektes gemeinsam betrachtet, kommt es zu einer erheblichen Reduktion der durch das Erneuerbaren-Energien-Gesetz verursachten Kosten. FĂŒr das Jahr 2006 ist die Summe aus Marktwert und Merit-Order-Effekt sogar höher als die gesamte EEG-VergĂŒtungssumme.âcite-ref-1-4-3[4]
Eine Nachfolgestudie des Fraunhofer-Institut fĂŒr System- und Innovationsforschung (FhG-ISI Karlsruhe) aus dem Jahre 2013cite-ref-26[22] fĂŒr das Jahr 2011 und 2012 ermittelte eine Senkung des Baseload-Preises um 8,9 âŹ/MWh (0,89 ct/kWh). Bezogen auf den gesamten deutschen Stromverbrauch ergibt sich daraus eine entlastende Wirkung aus der Senkung von Stromhandelspreisen in Höhe von 4,88 Milliarden Euro. Eine Quantifizierung der gegenzurechnenden EEG-Mehrkosten erfolgt nicht mehr und eine Entlastungswirkung fĂŒr den Endkunden wird nur noch fĂŒr energieintensive Unternehmen postuliert, die von der EEG-Umlage teilweise befreit sind.
Eine Studie aus dem Jahr 2014 kommt zu dem Ergebnis, dass der Merit-Order-Effekt vorrangig energieintensiven Unternehmen zugutekommt, die von der EEG-Umlage ganz oder teilweise befreit sind.cite-ref-27[23]
Zu einem Ă€hnlichen Ergebnis kam eine 2016 im Fachjournal Renewable and Sustainable Energy Reviews erschienene Untersuchung, bei der der Ist-Zustand mit einem hypothetischen Szenario ohne erneuerbare Energien verglichen wurde. Demnach stehen der 2013 fĂ€lligen EEG-Umlage von 20,4 Mrd. Euro Preissenkungen an der Strombörse in Höhe von 31,6 Mrd. Euro gegenĂŒber, womit Endverbraucher insgesamt ca. 11,2 Mrd. Euro eingespart haben. Allerdings sind die Einsparungen sehr unterschiedlich verteilt: Durch die Ausnahmeregelungen fĂŒr industrielle Verbraucher, durch die 2013 rund 212 TWh bzw. ein Drittel des Gesamtverbrauches teilweise bis nahezu vollstĂ€ndig von der Zahlung der EEG-Umlage befreit war, kamen diese Kostensenkungen an der Strombörse praktisch ausschlieĂlich energieintensiven Unternehmen zu, wĂ€hrend sich fĂŒr Privathaushalte und Kleinverbraucher kein Unterschied ergab. In dem Szenario ohne erneuerbare Energien hĂ€tten die Stromkosten fĂŒr energieintensive Unternehmen 2013 hingegen doppelt so hoch gelegen wie tatsĂ€chlich der Fall.cite-ref-28[24]
Kritik
Die Monopolkommission bestĂ€tigt in ihrem Energiesondergutachten eine kurzfristig kostensenkende Wirkung der Einspeisung erneuerbarer Energien. Allerdings weist die Kommission darauf hin, dass Mittellastkraftwerke mit hohen Fixkosten und relativ niedrigen variablen Kosten zwar bei einer relativ plötzlichen Senkung der Nachfrage nach konventioneller Energie kurzfristig den Restbedarf billig decken, dabei aber zu wenig Betriebsstunden und Deckungsbeitrag erzielen, um ihre Fixkosten zu amortisieren und profitabel zu arbeiten. Langfristig werden diese Kraftwerke somit aus dem Markt gehen und der Restbedarf wird wieder von Spitzenlastkraftwerken mit geringen Fixkosten und hohen variablen Kosten gedeckt, womit das alte Preisniveau wiederhergestellt wird.cite-ref-29[25] Eine Untersuchung des Bundeskartellamts wies 2011 auf eine weitere preistreibende Wirkung des Zubaus erneuerbarer Energien hin: âZudem ist zu berĂŒcksichtigen, dass aufgrund der stetig zunehmenden EEG-Erzeugung langfristig der Bedarf an flexiblen Erzeugungsanlagen mit höheren Grenzkosten steigen wird. Ein entsprechend verĂ€nderter Kraftwerkspark wird mittel- und langfristig Effekte auf die Merit Order und damit auf die Strompreise haben.âcite-ref-kartellamt-3-1[3]
Weiterhin Ă€uĂerte die Monopolkommission in einem Sondergutachten aus dem Jahr 2011 auch Zweifel an einer Kostensenkung fĂŒr den Letztverbraucher, da dem Merit-Order-Effekt derzeit âunter anderem Kosten fĂŒr die EEG-Umlage, erhöhte Regelenergiekosten und Kosten des fĂŒr die Integration der erneuerbaren Energien notwendigen Netzausbausâ gegenĂŒberstĂŒnden, die sĂ€mtlich vom Letztverbraucher zu tragen sind.cite-ref-30[26]
Eine Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der UniversitĂ€t zu Köln aus dem Jahr 2012 kommt hingegen zu dem Schluss, dass die Einspeisung erneuerbarer Energien auch nach einer Anpassung des konventionellen Kraftwerksparks preissenkend wirkt. Zum Beispiel entstehen negative Preise unabhĂ€ngig von der Gestaltung des konventionellen Kraftwerksparks, wenn die Residualnachfrage nach Abzug der Einspeisung erneuerbarer Energien negativ ist. Weiterhin weist die Studie darauf hin, âdass Preiseffekte nicht mit Kosten- bzw. Wohlfahrtseffekten verwechselt werden dĂŒrfen.â Preissenkungen auf den GroĂhandelsmĂ€rkten fallen geringer aus, als sie in diesbezĂŒglichen Studien berechnet werden, weil der in Deutschland billig angebotene Strom ins angrenzende Ausland abflieĂt und der grenzĂŒberschreitende Handel die Preise stabilisiert. Die Kosten der Einspeisung erneuerbarer Energien bleiben jedoch vollstĂ€ndig beim deutschen Verbraucher. Volkswirtschaftlich fĂŒhrt die Preissenkung an den StromhandelsmĂ€rkten zu einer Umverteilung, bei der konventionelle Bestandsanlagen zu Lasten der deutschen Volkswirtschaft entwertet werden und StromkĂ€ufer aus dem In- und Ausland von billigeren Preisen profitieren.cite-ref-31[27]
Fehlende DeckungsbeitrĂ€ge der konventionellen Energieerzeugung lösten eine Diskussion ĂŒber sogenannte KapazitĂ€tsmĂ€rkte aus, die zusĂ€tzliche DeckungsbeitrĂ€ge fĂŒr konventionelle Erzeugung ermöglichen sollten. Das WeiĂbuch des Bundesministeriums fĂŒr Wirtschaft und Energie von 2015 erteilte KapazitĂ€tsmĂ€rkten als Element des Strommarktdesigns eine klare Absage.cite-ref-32[28]
Literatur
PrimÀrliteratur
âą Ronan Bolton: Making Energy Markets: The Origins of Electricity Liberalisation in Europe. Springer International Publishing, Cham 2021, ISBN 978-3-03090074-8, doi:10.1007/978-3-030-90075-5 (englisch).
âą Hans-Wilhelm Schiffer: Energiemarkt Deutschland: Daten und Fakten zu konventionellen und erneuerbaren Energien. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-23023-4, doi:10.1007/978-3-658-23024-1.
Artikel & weiterfĂŒhrende Informationen
âą Michael Wider (PrĂ€sident VSE): Meinung: Unsere Stromzukunft â an einer Hand abgezĂ€hlt. 14. Dezember 2018, abgerufen am 11. September 2022.
âą Jens Lichter, Emil Hosius, Benjamin Wacker, Jan SchlĂŒter: Der Einfluss von Offshore-Windenergie auf die EEX-Strompreise. In: Zeitschrift fĂŒr Energiewirtschaft. Band 44, Nr. 2, 1. Juni 2020, S. 85â99, doi:10.1007/s12398-020-00276-8.
âą Davide Orifici, Maria Schubotz: Die EU-Strompreiskrise â Schuld des Marktdesigns? 9. Januar 2022, abgerufen am 11. September 2022.
âą Thomas GrĂŒter: Merit-Order-Prinzip: Warum das teure Gas auch den Strompreis mit nach oben reiĂt. 29. August 2022, abgerufen am 11. September 2022.
âą Pepe Egger: Energiepreisschock: Willkommen in der TrĂŒmmerlandschaft der Marktliberalisierung. In: Der Freitag. 11. September 2022 (freitag.de).
âą Abschlussbericht zum Projekt âMerit Order der Energiespeicherung im Jahr 2030â veröffentlicht. Forschungsstelle fĂŒr Energiewirtschaft, abgerufen am 11. September 2022.
Ăltere BeitrĂ€ge
âą JĂŒrgen Neubarth, Oliver Woll, Christoph Weber, Michael Gerecht: Beeinflussung der Spotmarktpreise durch Windstromerzeugung. Energiewirtschaftliche Tagesfragen, Jg. 56 Heft 7, 2006, S. 42â45.
âą Sven Bode, Helmuth Groscurth: Zur Wirkung des EEG auf den âStrompreisâ. (PDF; 196 kB) HWWA Discussion Paper 348: Hamburg, August 2006.
âą Bundesumweltministerium: Erneuerbare Energien in Zahlen â nationale und internationale Entwicklung. BMU: Berlin, November 2007, S. 27. (PDF-Datei; 6,26 MB), Archivlink abgerufen am 30. August 2022
âą Serafin von Roon, Malte Huck: Merit Order des Kraftwerkparks. (PDF; 663 kB) Forschungsstelle fĂŒr Energiewirtschaft e. V.: MĂŒnchen, Juni 2010.
Weblinks
âą Bundesnetzagentur â SMARD.de â GroĂhandelspreise
âą ENTSO-E Transparenzplattform der EuropĂ€ischen Ăbertragungsnetzbetreiber mit Dayahead-Preisen, Stromlast pro Regelzone, installierter Leistung und tatsĂ€chlich erzeugter Arbeit je Stromerzeugungsart, GrenzkapazitĂ€ten, grenzĂŒberschreitenden FlĂŒssen und vielem mehr (Registrierung erforderlich)
âą AGSI EuropĂ€ische Gasinfrastruktur zeigt europĂ€ische SpeicherflĂŒsse und -fĂŒllstĂ€nde der Speicherbetreiber
âą ENTSO-G Transparenzplattform der europĂ€ischen Gasnetzbetreiber zeigt Bilanzierungsdaten und GasnetzflĂŒsse der europĂ€ischen Gasnetzbetreiber
âą Energiewirtschaft einfach: Merit-Order â warum ist der Strompreis ans Gas gekoppelt? auf YouTube, abgerufen am 24. MĂ€rz 2024.
Einzelnachweise
cite-note-2-22. â Aktuelle Fakten zur Photovoltaik, S. 11 und 12. (PDF) 1. August 2022, abgerufen am 9. September 2022 (âDie laufende Preisfindung an der Börse erfolgt nach dem Prinzip des âMerit Orderâ (Abbildung 8). Die Verkaufsangebote der Stromerzeuger fĂŒr bestimmte Strommengen, in der Regel durch die jeweiligen Grenzkosten definiert, werden nach Preisen aufsteigend sortiert. Die Kaufangebote der Stromabnehmer werden absteigend sortiert. Der Schnittpunkt der Kurven ergibt den Börsenpreis fĂŒr die gesamte gehandelte Menge. Das teuerste Angebot, das zum Zuge kommt, bestimmt somit die Gewinnmargen aller gĂŒnstigeren Anbieter.â In der genannten Abbildung 8 werden die Kraftwerke nach ihren Grenzkosten geordnet, wie es auch in der Abbildung rechts der Fall ist.).
cite-note-kartellamt-33. â Daniel Judith, Gero MeeĂen, Johanna Hartog, Felix Engelsing, Frank Simonis, Lieselotte Locher: Sektoruntersuchung Stromerzeugung und -groĂhandel. In: Bundeskartellamt (Hrsg.): Abschlussbericht gemÀà § 32e GWB. B10-9/09. Bonn Januar 2011, S. 56 (bundeskartellamt.de [PDF]): âBei funktionierendem Wettbewerb agieren alle Marktteilnehmer als Preisnehmer. Der Marktpreis wird als gegeben akzeptiert und die Marktteilnehmer passen lediglich die von ihnen abgenommene oder angebotene Menge an den Marktpreis an. Durch ein solches Verhalten wird das gesamtwirtschaftliche Wohlfahrtsoptimum erreicht. [...]Alle infra-marginalen Kraftwerke mit entsprechend niedrigeren Grenzkosten als das jeweils einschlĂ€gige, zur Deckung der Nachfrage erforderliche Grenzkraftwerk erzielen aufgrund des Gesetzes eines einheitlichen Marktpreises auch bei vollkommenem Wettbewerb allerdings durchaus Preise, die oberhalb der jeweiligen kraftwerks- oder anbieterspezifischen Grenzkosten liegen könnenâ
cite-note-1-44. â Analyse des Preiseffektes der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf die Börsenpreise im deutschen Stromhandel. S. 8, abgerufen am 27. November 2022.
cite-note-3-55. â EUPHEMIA Public Description Single Price Coupling Algorithm. Abgerufen am 27. November 2022 (englisch).
cite-note-statista-66. â Handelsvolumen am Spot- und Terminmarkt (EPEX SPOT und EEX) fĂŒr Strom in den Jahren 2002 bis 2021. Abgerufen am 27. November 2022.
cite-note-77. â Trading at EPEX SPOT. S. 4, abgerufen am 27. November 2022 (englisch).
cite-note-0-88. â Analyse des Preiseffektes der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf die Börsenpreise im deutschen Stromhandel. S. 3, abgerufen am 27. November 2022.
cite-note-99. â Untersuchung im Rahmen des Projekts âWirkungen des Ausbaus erneuerbarer Energien (ImpRES)â, gefördert durch das Bundesministerium fĂŒr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherhe. Abgerufen am 27. November 2022.
cite-note-1010. â Thomas KĂŒnzel (M.Sc.): Entwicklung eines agentenbasierten Marktmodells zur Bewertung der Dynamik am deutschen Strommarkt in Zeiten eines steigenden Anteils erneuerbarer Energien. 2019, S. 91.
cite-note-1111. â Tilman Schwencke, Christian Bantle: BDEW-Gaspreisanalyse Januar 2022. (PDF; 744 kB) Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V., 22. Januar 2022, S. 21, abgerufen am 18. September 2022: âPreisentwicklung Erdgas GroĂhandel 01.01.2021 â 17.01.2022â
cite-note-1212. â Tilman Schwencke, Christian Bantle: BDEW-Strompreisanalyse Juli 2022. (PDF; 1,3 MB) Bundesverband der Energie-und Wasserwirtschaft e. V., 22. Januar 2022, S. 51, abgerufen am 18. September 2022: âPreisentwicklung Strombörse: Spotmarkt ab 2011, Spotmarkt Tagesmittel (01.01.2011 â 18.07.2022)â
cite-note-1313. â Spencer Dale et al.: bp Statistical Review of World Energy. (PDF; 6,0 MB) 2022 (71st edition). BP, 29. Juni 2022, S. 5, abgerufen am 18. September 2022: âGlobal energy prices increased sharply in 2021. The most pronounced increase was in the price of natural gas. TTF increased by over 400 % to average $16/mmBtu in 2021.â
cite-note-acer-2022-1414. â ACER: ACERâs Final Assessment of the EU Wholesale Electricity Market Design. (PDF; 6,5 MB) Agency for the Cooperation of Energy Regulators, 29. Juni 2022, S. 2, abgerufen am 19. November 2022.
cite-note-2016. â Nina Magoley: Warum hĂ€ngt der Strompreis vom Gaspreis ab? In: tagesschau.de. WDR, 27. August 2022, abgerufen am 12. September 2022.
cite-note-meritorderabschaffen-2117. â Merit-Order-Prinzip abschaffen? Habeck will Strompreis von Gaspreis entkoppeln. In: ntv.de. 9. September 2022, abgerufen am 19. November 2022.
cite-note-2218. â PlĂ€ne des Wirtschaftsministers: Habeck will Strommarkt reformieren. In: tagesschau.de. Norddeutscher Rundfunk, 26. August 2022, abgerufen am 12. September 2022.
cite-note-2319. â Christoph Herwartz: Energie: Was tun gegen die hohen Strompreise? Ăkonomen warnen vor Eingriffen. In: Handelsblatt. 1. September 2022, abgerufen am 12. September 2022.
cite-note-2420. â Merit-Order-Modell am Strommarkt Regulatorische Eingriffsmöglichkeiten. S. 9f, abgerufen am 3. Dezember 2022.
cite-note-2622. â Frank SensfuĂ: "Analysen zum Merit-Order Effekt erneuerbarer Energien". (PDF) In: Fraunhofer-Institut fĂŒr System- und Innovationsforschung. 13. September 2013, abgerufen am 15. September 2015.
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cite-note-2925. â Monopolkommission: Energie 2013: Wettbewerb in Zeiten der Energiewende (PDF; 6,5 MB), September 2013.
cite-note-3026. â Energie 2011: Wettbewerbsentwicklung mit Licht und Schatten S.19. (PDF) Abgerufen am 9. September 2022.
cite-note-3127. â Michaela FĂŒrsch, Raimund Malischek, Dietmar Lindenberger: Der Merit-Order-Effekt der erneuerbaren Energien â Analyse der kurzen und langen Frist. (PDF; 519 kB) In: EWI Working Papers (No 2012-14). Energiewirtschaftliches Institut an der UniversitĂ€t zu Köln, 5. Dezember 2012, abgerufen am 4. Juli 2022.
cite-note-3228. â Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft und Energie. (PDF) 2015, abgerufen am 9. September 2022.